Das Eichelschwein-Rennen

 

26. November 2006 in Ganderkesee Schlutter

 

 

Insa Winkler with support by:
Emmo Poetzsch
Robert Geipel
Boudewijn Payens
Almut von Koenen
Werner Henkel

 

Presse NWZ
Ein symbolträchtiges Rennen

 

Zehn Schweine waren seit Juni mit Eicheln gemästet worden. Die Idee hatte die Wüstinger Land-Art-Künstlerin Insa Winkler. Von Daniela Greulich SCHLUTTER/WÜSTING - Nummer vier rennt als erstes der zehn Schweine ins Ziel. „Aber das ist keine sportliche Veranstaltung, sondern ein Kunst-Happening“, betonte Insa Winkler. Gemeinsam mit dem „Und. Institut für Kunst, Kultur und Zukunftsfähigkeit“ aus Frankfurt/Main und dem „social land art project Hude-Ganderkesee“ hat sie am Sonntag auf dem Hof Poetzsch in Schlutter vor etwa 80 Zuschauern ein „Eichelschwein-Rennen“ über eine Distanz von rund 60 Metern veranstaltet. Hintergrund des Projektes sei es, den Verbraucher mit der Frage „Was essen wir?“ zu konfrontieren, erläuterte Winkler. Die Idee zu dem Projekt hatte die Bildhauerin aus Wüsting im Herbst 2003, nachdem sie an einem internationalen Künstlerlsymposium in Sachsen teilgenommen hatte. Die Gruppe besuchte damals einen Großmastbetrieb mit Schweinen, die später zu Tiroler Schinken verarbeitet wurden. „Welche Landwirtschaft und Tierhaltung wollen wir?“, fragte sich Winkler und möchte für das Thema sensibilisieren. Die Existenz der Schweine sei heute nicht sichtbar, die Produktion industrialisiert, erläuterte Dr. Hildegard Kurt vom „Und-Institut“ in einer kleinen Ansprache vor dem Rennen die Aktion. Winkler wolle dieses „Nicht-Wahrnehmen“ durch die Aktion in „Wahrnehmen“ verwandeln. Dies solle der Ausgang für ein verändertes Denken und Handeln sein. Denn durch Kunst würden Veränderungen in der Lebenspraxis gefördert. Seit Juni hatten die Schweine auf dem Hof Poetzsch gelebt. Sie bekamen kein Sojafutter, sondern Gerste, Raps und vor allem Eicheln. Als Symbol trugen die Tiere beim Rennen rote Flügel in der Form von Eichenblättern. Alle Schweine fühlten sich wohl, das hätten Landwirte bestätigt. Jedes Tier hat einen Paten – Eichelschwein „Obermotz“ wurde nach dem Rennen für 410 Euro versteigert. Die Eichelschweine hätten etwa drei Monate länger als normale Mastschweine gelebt, sagte Poetzsch. Zum Schlachter geht es für sie bald aber trotzdem – nächste Woche sind die ersten Tiere dran. Insa Winkler plant ein Buch über das Eichelschwein-Projekt. Mit einem ,Eichelschwein-Kino’ möchte sie nächstes Jahr durch 15 Städte in Deutschland touren.

 

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