Pressemitteilung: Mixed up Preisträger Ländlicher Raum 2015

 

Orte in der Fremde - Vernetzungen

 

Politische Verfolgung, Kriegswirren oder wirtschaftliche Probleme haben die Familien nach Deutschland geführt. Sie kommen aus 14 Nationen, unter anderem aus Bulgarien, den Niederlanden, Rumänien, Bosnien, Sudan, Albanien, Pakistan und Syrien. Deutsche Sprachkenntnisse haben sie kaum. Neu in der sehr ländlichen Region Ammerland, fällt es den Kindern und Jugendlichen schwer, ihre Freizeit außerhalb ihrer Unterkünfte zu gestalten.

 

 

„Orte in der Fremde- Vernetzungen“ sorgte nicht nur für ein abwechslungsreiches Kulturprogramm für die jungen Flüchtlinge im Alter von 11 bis 17 Jahren. Das Projekt schaffte für sie den Rahmen, in einer neuen Lebenswelt heimisch zu werden und mit Menschen anderer Herkunft neue Erfahrungen zu machen. Den Einstieg in das Projekt gestaltete ein szenisches Spiel einer Schauspielerin. Körpersprachübungen und Bewegungsspiele förderten das Vertrauen und das Gruppengefühl, Sprachbarrieren konnten so überwunden werden.

 

In vier Gruppen aufgeteilt, entwickelten die Schüler/innen mit der Methode der ästhetischen Forschung kognitive Karten und Mindmaps. Auf einem Architektenpapier zeichnete jede Gruppe die Wege ihrer jeweiligen Wohnorte zur Schule nach und beschriftete sie in der Muttersprache. Dabei wurden die einzelnen Interessen und Emotionen sichtbar: Was ist den Kindern und Jugendlichen in der Region bekannt, was findet Beachtung, was ist wichtig? Im Landkreis Ammerland erkundeten die Kinder und Jugendlichen in einer Projektwoche zu Fuß die Region. Bepackt mit einem Forscherrucksack: mit einer Digitalfotokamera, Ammerland- und Ortsplan, Papier, Stiften und Freude am Entdecken besuchten sie Jugendzentren, Kunstschulen, Kirchen, Museen, Parks, das Zwischenahner Meer, das Aper Tief, Mühlen, Skulpturen und Straßenbilder. Zur Dokumentation ihrer Erlebnisse fertigten sie Frottagen, Plexiglasscheiben und Zeichnungen -auf durchsichtige Folien zum Durchschauen und Zeichnen der im gewählten Ausschnitt sichtbaren Außenwelt- an. Die zurückgelegten Wege wurden im jeweiligen Ortsplan und in der Ammerlandkarte eingezeichnet. Zurück in der Schule erstellten die Kinder und Jugendlichen in den folgenden Wochen Linolschnitte und erprobten verschiedene Druckverfahren. Die Stationen in den von ihnen besuchten Orten, erstellte Fotos und Drucke wurden in einer großen (3,60 m Breite x 1,35 m Höhe) Kartografie dargestellt. Die Kartografie repräsentiert Handlung, Erfahrung, Emotionen, Bewegung von einem Ort zum anderen. Ein Bewegungsmuster wird sichtbar und zeigt die derzeitige Vernetzung der Kinder und Jugendlichen im Ammerland.

 

In der Kunstausstellung „Orte in der Fremde - Vernetzungen“ waren die Kunstwerke im Rahmen der Sonderausstellung „Ein Leben in Netzen – Warum wir ohne nicht sein können“ im Landesmuseum für Natur und Mensch in Oldenburg zu sehen. Dadurch, dass ihre Arbeiten von einer hohen Besucherzahl gesehen werden, erfahren die Kinder und Jugendlichen besondere Wertschätzung. Potenzielle Käufer für die Kunstwerke gab es zum Erstaunen eines Kindes auch: „All die schönen Sachen im Museum, aber unsere wollen sie kaufen?“

 

Das Projekt steht mit seinem komplex ausgebauten Netzwerk zwischen Institutionen, Vereinen und Kulturakteuren in einer ländlichen Region für ein beispielhaftes kulturelles Gesamtkonzept. Es stößt die Entwicklung von neuen Handlungskonzepten an, räumt Barrieren aus dem Weg und fördert die Integration von Zuwanderer- und Flüchtlingskindern nachhaltig.

 

  „Vorbildlich an dieser Kooperation ist die Netzwerkbildung im ländlichen Raum – mit und für geflüchtete Kinder", so die MIXED UP Fachjury. „Die Schule öffnet sich nach außen und bietet den Projektteilnehmer/innen im Rahmen dieses Kooperationsprojekts wichtige Anlaufpunkte im Sozialraum.“

Kooperationspartner:

Mit freundlicher Förderung durch:

 

Gemeinde Bad Zwischenahn

 

Landkreis Ammerland

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